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Das Wahre Kreuz Christi im Alentejo

5 April 2021 | 0 Kommentare

Auf halber Strecke zwischen Évora und Beja – jeweils die Hauptstäde des mittleren und südlichen Alentejos – finden wir das kleine Städtchen Portel mit seiner unverkennbaren Silhouette: eine imposante Burg im gothischen Stil thront majestätisch über auf einem Hügel liegenden weissen Häuser.

Auf dem Wappen von Portel sind 7 rote Türme zu sehen, die ein rotes Kreuz umrahmen; dies Kreuz ist ein Malterserkreuz. Der Malteserorden existiert heute noch, hatte aber bei seiner Gründung Anno Domini 1048 und vor dem Umzug des Ordens nach Malta im Jahre 1530 einen anderen Namen: Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem (als Johanniter-Orden oder Hospitaliter-Orden bezeichnet).

Mitglied dieses Ordens war ein gewisser Bruder Afonso Pires de Farinha, ein portugiesischer Ritter der angeblich an dem siebten Kreuzzug teilnahm, der von dem französischen König Ludwig angeführt wurde und in einer Niederlage der Christen endete. Bei seiner Rückkehr nach Portugal kam Farinha mit einem besonderen Souvenir im Gepäck: ein Stück Holz, Teil des Wahren Kreuzes an dem Jesus Christu gekreuzigt wurde.

Diese Reliquie spendete der Ritter dem Kloster von Vera Cruz do Marmelar, dass er im Jahre 1268 etwa 16 Kilometer südlich von Portel von König Alfons dem Dritten erhalten hatte.  Die Kirche die heute zu sehen ist, war damals ein Kloster und hatte weitere Gebäude, die leider mit der Zeit alle verfallen sind. Über dem Kircheingang  ist folgende lateinische Inschrift zu lessen:

NOS. AVIEM. GLORIARI. OPORTE. IM. CRVCE. DNI. NOSTRI. IEIV. XPI

Auf Deutsch: „Wir müssen uns im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus verherrlichen.“

Die Buchstaben XPI sind ein Christusmonogramm (auch Chi-Ro genannt) und stehen für die ersten 3 Buchstaben des Namen Christus in Griechisch.

                         

Die Reliquie zog viele Gläubige an und soll angeblich in der Reconquista eine Rolle gespielt haben.

Die Überlieferung besagt, dass D. Álvaro Gonçalves Pereira, Großmeister des Hospitalordens und Vater des berühmten Nuno Álvares Pereira, auf dem Weg nach Süden in die Provinz Cádiz war, um sich König Afonso IV. und den christlichen Streitkräften anzuschließen, die sich dort zum Kampf gegen die Mauren versammelten, als er beschloss, im Alentejo einen Umweg zu machen und nach Marmelar zu kommen, um die Reliquie auszuleihen. Es sei die Anwesenheit des Heiligen Kreuzes in der Schlacht am Fluss Salado (Tarifa) im Oktober 1340 das den Sieg über die marrokanischen Meriniden sicherte und den endgültigen Wendepunkt in der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel markierte.

Die glorreichen Truppen der Portugiesen kehrten nach der Schlacht ins Land zurück und die Reliquie wurde in zwei geteilt. Ein Teil verblieb in Vera Cruz de Marmelar und kann dort heute noch besichtigt werden. Der zweite Teil ging nach Évora und wurde dort bis zur Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bei der jährlichen Siegesmesse durch die Stadt getragen um Felder und Gebäude zu segnen.

 

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